Shiva Nataraj

Yoga ist die Übung zur Selbsterkenntnis

„Yoga ist kein Glaube […]. Er ist ein Eindringen in deine Existenz“ (Osho)

Du lebst in deinem Körper

„Wenn sich dein Körper verändert, kann auch deine Atmung verändert werden. Wenn sich deine Atmung verändert, können deine Gedanken verändert werden. Und wenn deine Gedanken sich verändern, dann kannst du dich verändern.“ (Osho)

Der Körper-Geist: Der Körper ist die grobstoffliche Seite des Geistes, der Geist ist die feinstoffliche Seite des Körpers.
Der Mind: Ego, Wünsche, Hoffnungen, Philosophie, Verstand, Sprache, Religionen, Schriften, Wissen, Abneigungen, Gefühle, Glaube, einfach alles was uns als „Denken“ vertraut ist.

Der Körper dagegen ist uns so selbstverständlich präsent, dass wir ihn nur allzu leicht übersehen. Doch mit beharrlichen Übungen lernst du nicht nur deinen eigenen Körper besser kennen. Sogar deinen eigene Geist kannst du mit Hatha Yoga, dem Yoga des Körpers, verändern:

Das oberste Prinzip des Yoga

Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen des irrlichternden Verstandes (Yoga Sutra I.2)

Yoga ist die Befreiung vom Bekannten. Das Wahrnehmen (Sehen, Hören, Schmecken,…) jenseits vom Bekannten ist ein Nicht-Denken.

„Die Grenzen deiner Sprache sind die Grenzen deiner Welt“ (Ludwig Wittgenstein)

Yoga ist der Schritt über diese Grenzen, jenseits deiner Sprache, jenseits deines Denkens (Verstands, Egos, …).

Sieh hin, bleibe unbeteiligt, ohne jede Betroffenheit (aber immer mit Wohlwollen) = Upeksha.
Dann verlieren sich die Gedanken, dann kommt der Zustand des Yoga. Der Zeuge ist in sich zuhause.

Osho sagt: „Der Verstand kann entweder Quelle der Gefangenschaft oder Quelle der Freiheit sein. Es hängt ganz davon ab, wie er gebraucht wird. Die richtige Anwendung des Verstands führt in die Meditation, sein falscher Gebrauch führt in den Wahnsinn.“

Ist dein Verstand der Diener deines Egos? Oder der Diener deiner Vernunft?

„Ich denke, also bin ich,“ sagte der Philosoph Rene Descartes.
Im Yoga stehst du mit dieser Erkenntnis noch im Nirgendwo. Denn der Yoga sagt: „Beende dein Denken, dann erfährst du wer du bist.“

Der grundlegende Irrtum von Descartes

Oder, um zunächst auf Descartes zurückzukommen. Wer ist denn derjenige, der sagt „ich denke“? Wo ist denn Descartes? Er ist doch nicht mehr. Oder soll ICH sagen, „ich denke, …?“
Aber wer bin ich? Wer war ich gestern? wer bin ich morgen, wer bin ich jetzt? Bin ich jetzt, wenn ich JETZT, in diesem Moment denke? Oder bin ich jetzt, wenn ich eben NICHT denke, sondern der unbeteiligte Betrachter bin. Oder vielmehr, bin ich dann das Sehen selbst, eins gewordenes Subjekt mit dem Objekt? Wenn der Sehende und das Sehende eins geworden sind?

Welche dieser Fragen hat Descartes wirklich beantwortet?

Der falsch eingesetzte Verstand führt zu Wahnsinn

Aber wenn die meisten Menschen durch den Verstand irregeleitet dem allgemeinen Wahnsinn verfallen sind, ist dieser zur Norm geworden. Und derjenige, der seinen Verstand „richtig“ gebraucht, der ist für die normalen „Wahnsinnigen“ der „Verrückte“!

Schau dir den Zustand der Welt genau an: Ist die Welt der Menschen nicht ein Irrenhaus? Kannst du etwas anderes feststellen, als das dies ein Planet voller Irrer ist, in dem die dünne Stimme der Vernunft in der Kakofonie des Wahnsinns untergeht? Und wenn du glaubst, du seist normal, dann bist du vielleicht auch nur einer von diesen Irren! So wie all die anderen, die wie du glauben, sie wären normal.

Der aktuelle Irrsinn in der Welt

Momentan erlebt man ja ein weltweites Revival des Patriotismus, des religiösen Fanatismus und sogar des extremen Nationalismus. Die Anhänger des letzteren haben es in Deutschland zu zwei verheerenden Kriegen gebracht. Es wurden hunderttausende eigene deutsche Staatsbürger von Fanatikern ermordet. Von den Gräueltaten in anderen Ländern und all den anderen Kriegsopfern ganz zu schweigen. Der vernunftbegabte Mensch würde solchen Wahnsinn sicher nicht noch einmal unterstützen. Aber …

Werde verrückt um normal zu sein

Nun im Vergleich zu den anderen Menschen bleibt dir auf dem Weg des Yoga und der Selbsterkenntnis nichts anderes übrig: du musst verrückt werden, um tatsächlich normal oder einfach nur menschlich sein zu können. Nur so findest du vielleicht aus diesem ganzen Wahnsinn heraus.

Osho: „Man kann nur einen Fehler im Leben begehen: sich aus lauter Angst, dass etwas schief gehen könnte, gar nicht zu bewegen, sich überhaupt nicht von der Stelle zu rühren“

Einer der ältesten Yoga-Aphorismen lautet: „Stirb in jedem Moment, so dass du in jedem Augenblick wiedergeboren werden kannst.“ Entferne jeden Tag aufs Neue den Staub der vorangegangenen Nacht, auch wenn alles scheinbar rein geblieben war.