Yoga: Eigenwahrnehmung und Körperbewusstsein

Das Vegetative Nervensystem ist für die automatische Regulierung von Körperaktivitäten zuständig, die sich in der Regel nicht willentlich beeinflussen lassen. Dazu passend las ich in meiner Jugend irgendwo in einem Lexikon-Eintrag „mit Ausnahme einiger indischer Yogis“. Aha!

Das vegetative Nervensystem – im englischen Sprachraum auch autonomes Nervensystem genannt – lässt sich unter Umständen also doch willentlich beeinflussen!

Was heißt das überhaupt, das vegetative Nervensystem willentlich zu beeinflussen? Aus den Legenden Indiens erfährt man ja erstaunliche Geschichten. Doch deren Wahrheitsgehalt lässt sich schlecht überprüfen. Bekannt und dokumentiert sind aber die Fähigkeiten des Niederländers Wim Hof. Vor allem seine Kälteresistenz ist äußerst ungewöhnlich, daher wird er auch „Wim Hof the Iceman“ genannt. Aber auch ein medizinisch begleitetes Experiment mit einer Injektion von Bakterientoxin schien ihm nicht viel anhaben zu können. Normale Menschen hätten bei dieser Dosis starke Erkältungssymptome gezeigt, Wim blieb davon ziemlich unberührt. Diese Einflussnahme auf das vegetative Nervensystem erreicht Wim Hof mit der Hilfe relativ einfacher Techniken: Atem-Übungen, Meditation und Kälte-Training.

Eine der notwendigen Voraussetzungen für die Entwicklung solch besonderer Fähigkeiten – das muss nicht gleich so spektakulär sein wie bei Wim Hof – ist unter Anderem eine umfassende und korrekte Eigenwahrnehmung des Körpers. Nur wenn man die Eigenwahrnehmung und damit das Körperbewusstsein auf ein hohes Niveau hebt, kann man Fähigkeiten erlangen, auf das vegetative Nervensystem Einfluss zu nehmen, um z. B. den Puls zu verlangsamen oder die Temperatur in den Finger einer Hand im Vergleich zur anderen Hand zu verändern.

Was können wir für unsere Yoga-Praxis daraus lernen?

Auch wenn man keinerlei Absichten hegt, sich besondere Fähigkeiten anzueignen, die Techniken hierfür sind für uns in vielerlei Hinsicht für die tägliche Yoga-Praxis interessant.

Die grundlegenden Sinne des Menschen:

Dazu gehören neben den fünf klassischen Sinnen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) nach der modernen Physiologie auch noch Temperatursinn, Schmerzempfindung, Gleichgewichtssinn, Körperempfindung (auch Tiefensensibilität oder auch Propriozeption).