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Von Erleuchtungskongressen und ähnlichem Unsinn

Erleuchtungskongresse. Ein moderner Ablasshandel?

Oder was hat spirituelle Erleuchtung mit dem Kapitalismus zu tun?

Vor kurzem habe ich in einem Internetforum etwas über einen Erleuchtungskongress gehört und wie dieser aggressiv beworben wurde. Für „mittellosere“ unter den potenziellen Kunden wurden sogar Sozialrabatte für deren Teilnahme angeboten. Ach wie sozial von den Veranstaltern!
Warum sollte aber jemand wie du oder ich überhaupt an einem solchen Kongress teilnehmen? Implizit, wenn auch vielleicht nicht direkt so propagiert, wird bei solch einer Veranstaltung eine Annäherung an so etwas wie „Erleuchtung“ angeboten. Klingt doch interessant, oder? Zumal die Liste der Dozenten mit mehr oder weniger bekannten Menschen aus der „Erleuchtungsszene“ gespickt ist. Vielleicht hilft eine Teilnahme am Kongress deiner oder meiner Spiritualität weiter, den nächsten Schritt zu tun?

Mal abgesehen davon, das Erleuchtung ein derart schwammiger Begriff ist, wie es z.B. eine „intelligente Sonne“ wäre, was willst du denn dort auf einer solchen Veranstaltung? Suchst du oder willst du „Erleuchtung“? Dann wirst du sie dort garantiert nicht finden. Denn „Suchen“, „Wünschen“, „Wollen“ ist schon das Gegenteil von „Erleuchtung“. Das trifft – um vollständig zu bleiben – auch auf „Ablehnung“, „Nicht-Wollen“ und „Abscheu“ zu. Am nächsten kämst du der Erleuchtung, salopp gesagt, wenn dir dieser Erleuchtungs-Mist völlig gleichgültig wäre. Denn das Erleuchtungsgeschwafel bringt sowieso nichts.

Wenn du gerade nicht Erleuchtung suchst, sondern vielleicht ein paar möglicherweise, interessante Leute kennen lernen willst, dann ist das in Ordnung diesen Kongress zu besuchen.

Aber mal ehrlich, das geht auch preisgünstiger. Du brauchst dich nur in deiner Nachbarschaft umschauen: Wo sind Menschen, die in ihrem Tun aufgehen, weil sie einfach tun, was sie tun? Wer in deiner Nähe tut Dinge für andere, ohne dafür Anerkennung oder gar Geld zu fordern oder zu erwarten. Vielleicht tut der- oder diejenige das sogar ohne besondere Motivation, einfach aus dem Grund, weil nützliche Dinge einfach gemacht werden müssen. Beispielsweise indem er oder sie, ohne eine heroische Selbstinszenierung daraus zu machen, einfach Unrat von der Straße aufhebt um diesen im nächsten Mülleimer zu entsorgen. Und es gibt diese unauffälligen Menschen sicher auch in deiner Nachbarschaft. Diese sind die wahren Helden des Alltags. Sie sind vielleicht nicht so leicht zu erkennen, wie die großartigen, schillernden und pompösen Meister der Selbstinszenierung getreu ihres Mottos „Tue Gutes und rede darüber“. Aber diese Bescheidenen, es gibt sie überall! Und keiner von denen hält sich für erleuchtet! Vielleicht solltest du deine Sichtweise einmal hinterfragen? Warum interessierst du dich mehr für den Schein statt für das Sein?

Um zu dem Thema des Kongresses zurückzukommen. Es wird also ganz in kapitalistischer Manier ein Bedürfnis angesprochen oder erzeugt, welches bei den davon Angesprochenen zu einem Wunsch nach Befriedigung führen soll. Eine Realisierung dieser vorübergehenden Bedürfnisbefriedigung, wird vor allem zu einer Befriedigung der finanziellen Bedürfnisse der Veranstalter führen. Es erinnert mich, um es deutlich zu sagen, an ein gegenseitiges Masturbieren: Du bekommst deine Befriedigung und der Veranstalter die seine. Ganz so wie Tauschgeschäfte in unserer Gesellschaft eben ablaufen. Nur wirst du auf der Ebene des Tauschhandels spirituell nicht weiter kommen.

Darum erwarte nicht mehr als eine Märchenstunde, und du wirst nicht enttäuscht werden. Mit Erleuchtung oder gar deiner Erleuchtung hat dieser Rummel nichts zu tun. Wenn du Erleuchtung erwartest, wirst du entweder enttäuscht, dann bist du wenigstens ehrlich zu dir. Oder du wirst nicht enttäuscht, dann bist du wahrscheinlich nicht ehrlich zu dir. Denn dein Handeln ist zielorientiert und dient nur der Verbesserung deines Ego-Gefühls: Vielleicht fühlst du dich nach einem solchen Tauschhandel gut und wunderbar und in höhere spirituelle Sphären enthoben? Dann träume ruhig weiter den Traum deiner Erleuchtung. Ehrlich wäre von den Veranstaltern wohl gewesen, wenn sie klipp und klar sagen würden: Wir, die Veranstalter bieten dir spirituelle Märchen an und in der Zeit deiner Anwesenheit bei uns bezahlst du dafür. Genauso wie wenn du ins Kino oder in ein Fußballspiel gehen würdest. Aber dort würdest du wohl auch keine Erleuchtung erwarten?

Daher, Erleuchtung wirst du auf diesem Wege keine finden. Warum?
Kein Mensch wurde jemals auf einem Kongress erleuchtet, für den bezahlt werden musste. Denn zu bezahlen, um dafür erleuchtet zu werden, hat noch nie funktioniert. Oder findest du den Ablasshandel des Mittelalters wirkungsvoll? Der hat auch nur für die Finanzen der Kirche Gutes gebracht und den Menschen nur ein Scheinglück. Die Erleuchtung funktioniert sicher nicht über eine gegenseitige Bedürfnisbefriedigung durch Tauschhandel! Frag Jesus, frag Buddha, frag Laudsi, frag Ramana Maharshi. So funktioniert es nicht! Hat es nicht und wird es niemals! Für kein Geld der Welt kannst du Erleuchtung kaufen! Das hat Erleuchtung mit echter Liebe gemeinsam, falls es überhaupt einen Unterschied zwischen den beiden gibt. Vermutlich ist diese Unterscheidung zwischen Erleuchtung und Liebe ohnehin nur pseudointellektuelle Wortklauberei innerhalb der Welt Scheins und der Phänomene.

Gerüchteweise funktioniert die Erleuchtung im einfachsten (?) Fall über eine persönliche Beziehung zu einem Meister oder Guru, der dir auf irgendeine mysteriöse Weise dazu verhelfen könnte. Aber auch hier ist die Gefahr gewaltig groß, einem Scharlatan aufzusitzen. Denn du stehst vor dem großen Problem zuallererst einen Meister zu finden. Wenn du Erleuchtung auf einem Kongress zu finden hoffst, bist du aller Wahrscheinlichkeit nach viel zu blind, einen Meister zu erkennen, selbst wenn er direkt vor dir stünde. Denn um einen Meister zu erkennen, müsstest du erst deine Suche aufgeben! Denn durch die Suche bleibt du blind.

Was du immer machen kannst, ohne jede Hilfe von außen und ohne einen Cent dafür zu bezahlen: begebe dich auf den Weg in das „pfadlose Land“ (Jiddu Krishnamurti) in deinem Inneren: ohne Führung, ohne Anleitung! Lerne mit deinem Herzen die Wirklichkeit zu sehen, wie sie ist, denn es gibt keine andere. Das ist jene Wirklichkeit, die nur für dich geschaffen wurde, damit du in dir selbst das Göttliche erkennst und verwirklichst. Oder erinnert deine reale spirituelle Suche nach Erleuchtung doch eher an Kafkas tragische Gestalt aus „Vor dem Gesetz“, an den „Mann vom Land“, der ewig vor der Pforte des Gerichtes auf Einlass wartet. Aber der Türhüter verweigert ihm trotz all seiner Bemühungen, jedes Mal den Eintritt mit der Begründung, dass „Einlass möglich sei, aber nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt“. Kurz vor seinem Tod stellt der „Mann vom Lande“ die entscheidende Frage an den Wächter, warum in all den Jahren niemand außer ihm Einlass verlangt hatte. Der Türhüter antwortet, dieser Eingang sei nur für ihn bestimmt gewesen, doch jetzt verschließe er ihn.

Das ist dann wohl das Ergebnis der sinnloser Suche: du wirst dahinleben und sterben wie der „Mann vom Lande“, ohne tatsächlich etwas von deiner Wirklichkeit erkannt zu haben. Diese Pforte ist wie der Eingang in das „pfadlose Land“ und diesen einen Eingang gibt es nur in dir und nur für dich allein. Warum sich überflüssige Gedanken über eine sinnlose Suche nach Erleuchtung im Außen machen, wenn du es nicht schaffst den richtigen Schritt ins Innere zu tun? Wenn du diesen Schritt tätest, dann bräuchtest du auch keinen Erleuchtungskongress!

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