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Gibt es Reinkarnation?

Ich definiere mal: „Reinkarnation“ sei die Wiedergeburt oder die Wiederauferstehung von den Toten, damit sind sowohl abrahamitische als auch östliche Religionen angesprochen. Es geht ja irgenwie immer um das gleiche Prinzip.

Nicht du bist, der da lebt, denn das Geschöpf ist tot.
Das Leben, das in dir dich leben macht, ist Gott.

Angelus Silesius, 1624-1677

Was wird wiedergeboren?

Da stellt sich mir sofort die Frage, was wiedergeboren werden oder wiederauferstehen soll? Viele Menschen wünschen sich, dass ihr Ego mitsamt Leib wiedergeboren werden soll. Aber welchen Sinn würde das ergeben? Das wäre ja wie eine Wiederholung des ewig gleichen Versagens, seiner eigenen Wirklichkeit auch nur einen Schritt näher zu kommen. Warum sollte das also geschehen? Etwa als Belohnung für irgendwelche Verdienste, die man sich im jetzigen oder vorangegangenen Leben erworben hat? Oder als Bestrafung für irgendwelche Vergehen?
Das hört sich in meinen Ohren alles ziemlich – man möge nachsichtig mit mir sein, ob dieser Formulierung – DÜMMLICH an! Trotzdem ist dies die Basis der meisten Religionen.

Wird das Ego wiedergeboren?

Also noch einmal die Frage: weshalb sollte ein Phantasieprodukt wie das Ego wiedergeboren werden? Und wenn ja, welcher Lebensabschnitt wäre die Basis? Das Ego im Alter von 3, von 13, 33, oder 53 Jahren? Oder werden alle Erinnerungen, Vorstellungen, Persönlichkeitsmerkmale immer auf Null auf Neubeginn zurückgesetzt? Hat man von ersterem tatsächlich schon in realistischer Weise gehört, das ein Greis in einem Baby wiedererschienen wäre? Und ein Zurücksetzen, ein Reset, wäre dies nicht ein ewiger Neubeginn ohne jede Erinnerung an das Vorangegangene? Das ist möglicherweise nicht auszuschließen, aber klingt das plausibel?

Oder gibt es etwas anderes?

Oder kann es doch etwas geben, das unabhängig von uns in uns oder durch uns lebt? Etwas, das wesensverschieden von dem ist, was wir üblicherweise als „Ich“ bezeichnen? Etwas, das gar nicht sterben kann, weil es nie geboren wurde?
Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass die Reinkarnation der Ego-Illusion absolut unsinnig wäre. Denn warum sollten unsere Illusionen wieder auferstehen? Wie wir oben festgestellt haben, könnte allenfalls dasjenige wieder inkarniert und zu Fleisch werden, das ohnehin immer da ist, weil es nie abwesend war!

Was könnte das unsterbliche Etwas sein?

Was könnte dieses Etwas sein? Es bewohnt uns während unseres Lebens. Es ist unsterblich, weil es nie geboren wurde. Daher existiert dieses Etwas auch außerhalb der Zeit. Vielleicht ist es auch unabhängig von den Raumdimensionen und ist daher gleichzeitig und überall?
Wenn daher dieses Etwas existieren sollte, könnten wir es mit Worten beschreiben? Wäre das nicht ein ungenügender Versuch, das Unbeschreibliche an unsere Dimensionen zu fesseln, in einem jedes Mal zum Scheitern verurteilten Versuch es sich für uns intellektuell vorstellbar zu machen? Wir könnten ja nicht einmal unterscheiden, ob dieses Etwas in dir oder mir oder sonstwo verschieden ist. Die Wahrscheinlichkeit spräche dafür, dass dies nicht so ist.
Dieses Etwas wäre also seit Anbeginn überall und in allem enthalten. Es wäre das Ewige, das man im Daoismus als „nicht benennbar“ bezeichnet, weil es jenseits aller Vorstellungsmöglichkeiten liegt.
In profaner Weise könnten wir uns annähern, indem wir dieses Etwas als Lebensenergie, Lebenskraft oder göttliches Bewusstsein bezeichnen. Kann so ein Etwas überhaupt wiedergeboren werden? Es ist doch schon immer und überall da. Es besteht also keine Notwendigkeit für eine Reinkarnation!

Die Lösung: Befreie dich von Illusionen!

Wie also kann man sich der eigenen Wirklichkeit tatsächlich annähern, dem Zeitlosen, das vermutlich allgegenwärtig ist? Die Lösung ist theoretisch ganz einfach: Befreie dich von all deinen Illusionen!
Andererseits ist es doch nicht einfach, weil JEDER in die Illusionen seines Daseins verliebt ist und sich abhängig davon gemacht hat. Wir sind ALLE wie auf Droge! Unsere Kultur, die Art wie wir leben, fördert ja nicht gerade die Loslösung sondern die weitere Fesselung an die Matrix in der Welt der Phänomene.

Als Lazarus lachte

Dazu passend fand ich heute zufälligerweise, als ich mir diese Gedanken oben bereits gemacht hatte:

„Ein anderes Beispiel [für Fragen, die auf falschen Prämissen beruhen] ist die so genannte ‚Reinkarnation‘, für die noch nie eine annehmbare Erklärung angeboten wurde oder angeboten werden wird, solange die Antwort auf der Annahme beruht, dass es jemals eine In-Karnation gegeben hat und dass eine Wesenheit mit Namen wieder und wieder als eine andere Wesenheit mit Namen in einer Vielzahl durch Gene kontrollierten Kadavern wiedergeboren werden kann.“

WeiWuWei – „Als Lazarus lachte“

Ich hoffe, ich habe jetzt niemandem das Wochenende verdorben, mit dem in Abrede stellen von Inkarnation.
Liebe Grüße
EricYogi