Yoga erweitert das Bewusstsein

„Yoga erweitert das Bewusstsein!“ Das ist eine kühne These, oder nicht? Da kommen nun zwei zentrale Begriffe vor, die zunächst definiert sein wollen. Wenn man genauer hinsieht, stellt man ernüchtert fest, dass dies gar nicht so einfach ist. Ich bin mir aber im Klaren darüber, dass es durchaus noch viele andere Möglichkeiten der Definitionen gibt,  aber für diesen Beitrag kläre ich dies daher ganz pragmatisch wie folgt:

  1. Yoga ist eine Methode, durch beständige Übung ein klares Bewusstsein von sich selbst und seiner Umwelt durch Meditation zu erlangen (= Dhyana). Yoga ist zudem ein Zustand der inneren Freiheit, der uns in seiner Vollendung, allumfassend erkennen lässt, was dies überhaupt bedeutet (= Samadhi).
  2. Bewusstsein ist die Verfassung eines Wesens, welches innere und äußere Reize verarbeitet und zur Selbstreflexion darüber in der Lage ist. Dieses Wesen erkennt als Fakt, dass es existiert und dass es sich wahrnehmen kann. Für soziale Wesen – wie es die meisten Menschen sind- gilt weiter, dass sie erkennen und respektieren, dass auch andere ein Bewusstsein haben und dass sie existieren.

Wie aber entsteht Bewusstsein? Diese Frage kann selbst die Wissenschaft noch nicht beantworten. In eher komplexen Gehirnen entsteht dieses Phänomen einfach. Es ist also ein Gehirn und somit ein Körper notwendig. Der Einfachheit halber beschränke ich mich darauf festzuhalten, dass es Bewusstsein beim Menschen gibt. Und dass dieses Bewusstsein essenziell mit der Wahrnehmung und dem Gewahrsein zusammenhängt

Kommen wir nun zur Ausgangsthese zurück: „Yoga erweitert das Bewusstsein!“ In der Definition soll Yoga für ein klares Bewusstsein sorgen. Das heißt also, dass ich wohl auch ein nicht klares, ein trübes Bewusstsein dagegen stelle!

Letzteres nenne ich das „Alltagsbewusstsein“. Das meint, der Mensch hat ein Bewusstsein, ist sich dessen im Alltag aber nicht sicher nicht ständig bewusst. Denn dieses Bewusstsein seiner selbst ist im Alltag meist mit sehr trivialen Dingen beschäftigt: ich bin, ich meine, ich kann, ich will, ich muss, ich mache, … (oder deren Negationen) oder mit der Ansprache an andere: du bist, du meinst, du kannst, du willst, du musst, du machst, … (oder deren Negationen).

Dagegen steht das „klare Bewusstsein“, für das Sein im Hier und Jetzt, für das Tun oder Nicht-Tun ohne jede innere oder äußere Ablenkung. Solche Zustände kennt jeder und hat sie auch schon selbst erlebt: Das Kind, das völlig im Spiel versunken ist. Der Läufer, der das Runners-High erlebt. Die Schönheit einer Blume, eines Gemäldes einer Melodie, die uns „entzückt“ und uns für einen Moment aus dem täglichen Allerlei heraus holt.

Hier kommt nun die Yoga-Praxis ins Spiel: Yoga arbeitet mit dem Körper und dem Geist. Konzentration, Wahrnehmung und Achtsamkeit werden geübt. Es geht gar nicht darum, dass du dich möglichst akrobatisch verbiegst, auch wenn dies für Manche ein Selbstzweck ist. Nein, durch Yoga wirst du in erster Linie die Wahrnehmung deines eigenen Körpers und deines eigenen Geistes verfeinern. Im Idealfall lernt der Yogi oder die Yogini sich immer mehr von dem „inneren Kritiker“ zu lösen. Konzentration und Achtsamkeit in deiner Yoga-Praxis führen zu einem Ausschalten der Ablenkung durch unnütze Gedanken, sie führen zu einer zumindest zeitweiligen Präsenz einer wertneutralen Wahrnehmung. Nichts anderes bedeutet ein „klaren Bewusstsein“ zu haben.

Denn das Alltagsbewusstsein ist bestimmt durch Wertungen von dir selbst über andere bzw. von Wertungen, die du selbst an dich adressierst (von deinem inneren Kritiker). Und der Alltag kann ganz schon zermürbend sein. Deswegen ist dieses Bewusstsein ja so trüb: du bist abgelenkt, du bist voreingenommen, du willst am liebsten nur noch vor der Glotze abhängen oder dich sonst irgendwie zerstreuen. Dein Alltag nervt dich oft. Im Job sollst du ständig 100% Leistung abliefern und das stresst dich. Dein Partner will was von dir, und du willst nur deine Ruhe. Du machst dir Sorgen um die Zukunft deiner Kinder. Du machst dir finanzielle Sorgen. Den Eltern geht es vielleicht nicht gut, du müsstest dich mal wieder um sie kümmern.

Dies alles beschäftigt dich ständig, deine Gedanken kreisen ständig um solche Themen. Ja selbst im Urlaub kannst du nicht wirklich entspannen, da du in der Pflicht stehst, dich auf Teufel komm raus in der viel zu kurzen Zeit zu erholen.

Wie wohl und entspannt fühlst du dich manchmal nach einer Yoga-Stunde? In der du dich konzentriert bewegt hast, in der du mit voller Aufmerksamkeit in Gedanken und Tun dabei warst. Und ganz besonders wohl gefühlt hast dich möglicherweise in der Schlussentspannung. In besonders stillen Momenten ist dann sogar dein übliches Gedanken-Karussell zum Stillstand gekommen. Und war das nicht einfach unglaublich schön und angenehm? Einfach zu sein, den Körper wie im Schlaf kaum zu spüren, der Geist frei, ganz klar, ohne störende Gedanken und Worte, und du fühltest dich bei vollem Bewusstsein!

Das meine ich mit meiner These: „Yoga erweitert das Bewusstsein!“ Yoga schafft Räume um klares Bewusstsein zu erfahren. In der Yoga-Praxis lernst du, dich auf diese Erfahrung vorzubereiten, sie zu üben und immer öfter und leichter dorthin zu gelangen. Irgendwann wirst du sicher bemerken, dass dein Alltag immer noch viel zu oft nicht besonders toll ist. Aber es wird dich weniger belasten oder du kannst die Belastung leichter und schneller ablegen.

In diesem Sinne wünsche ich dir herzlichst eine gelungene Yoga-Praxis!
Dein EricYogi

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Auf der Suche nach der Menschlichkeit

Eine Synthese von alten, bewährten Techniken und Weisheiten des klassischen Yoga und neuen Erkenntnissen aus Trainingslehre, Psychologie und Biologie, gepaart mit vielfältigen praktischen Übungen für Körper, Geist und Seele. Das ist mein Anspruch und das will ich mit Holistic Yoga vermitteln.

Jeder Mensch – vorausgesetzt du bist bereit dazu – kann mit Yoga und seinen vielfältigen Techniken die Tiefen des eigenen Bewusstseins erfahren. Dies fördert eine ganz andere Sicht auf die Welt und einen freundlichen Umgang miteinander.

Dazu greife ich zurück auf tradiertes Wissen aus dem alten Yoga – und dies möglichst schnörkellos – sowie auf moderne Lehren und Erkenntnisse, so dass auch du die Yoga-Praxis auf eine westliche, dir verständliche Art erfahren kannst. Du, der du ein moderner Mensch bist, der – wie ich – nicht von indischen Tradtionen sondern von westlicher Kultur geprägt worden bist. Das große Ziel des Yoga – die Erlangung der großen Einheit von Selbst und Welt – bleibt davon unberührt. Nur die Herangehensweise bekommt andere Akzente.

Denn auch oder gerade in der westlichen Kultur haben die meisten von uns, diese Einheit schon lange verloren. Dieser schwer in Worte fassbare Verlust nagt und arbeitet vorwiegend unterschwellig in unserem Bwusstsein – in dir und mir und vielen anderen – und lässt manchen von uns sich auf die Suche machen.

Bei den meisten Menschen ist diese Suche ein diffuses Verlangen. Welches sie antreibt, ihr Glück in sportlicher Aktivität, in Kunst und Musik, in sozialen Aufgaben oder ähnlichen eher postiven Betätigungen finden zu wollen. Andere haben sich selbst schon irgendwie aufgegeben, werden im harmlosen Fall zu Couchpotaoes, Genussmenschen, Ignoranten, Verschwendern oder Müssiggängern.

Von den negativen Auswüchsen des Verlusts der Einheit in Form von Barbarei und Menschenverachtung will ich erst gar nicht viel reden. Beispiele hierfür sind tagtäglich in den Nachrichten zu finden. Nur eins will ich sagen: Das gemeinsame Kennzeichen all dieser Barbaren ist die Negierung der Menschlichkeit! Denn der Aspekt der Menschlichkeit übergreift alle Kulturen, alle sozialen Schichten, alle Geschlechter und Alter.

Und dies Alles, was alle Menschen verbindet, also Jeden mit Jedem verbinden könnte, lehnen diese armseligen Barbaren ab. Doch die Menschlichkeit wird uns allen, dir und mi in die Wiege gelegt. Eigentlich. Aber was machst du, was mache ich daraus?

Die ganz Kleinen unterscheiden die Menschen noch nicht nach falschen Kategorien. Für ein Kind ist ein anderes Kind in erster Linie ein potenzieller Freund und Spielgefährte und nicht der böse Feind oder der gefährliche Fremde. Und – sei mal ehrlich – in welcher Welt würdest du lieber leben wollen? Bei den Barbaren? Dann musst du selber zum Barbaren werden. Oder in der Welt der kindlichen Menschen? Entscheidest du dich für Letzteres, dann darf deine Hygiene nicht nur auf das Äußerlich beschränkt bleiben, sondern du solltest dich vor allem innerlich läutern.

Vorsicht! Denn dieser Weg zu sich, in das Innerste von dir, ist nicht leicht. Im Gegenteil! Es ist viel einfacher und bequemer ein vielleicht halbwegs zivilisierter Mensch zu sein oder zu bleiben. Aber vielleicht lohnt sich der Weg für dich? Die Chancen, aus deinem Leben mehr zu machen, mehr Erfüllung, mehr Unabhängigkeit, mehr Freiheit, mehr Liebe in dein Leben zu bringen, stehen gut! Alles was du tun musst, du solltest dir ein bisschen Mühe geben.

Eine ausgezeichnete Beschreibung der Menschlichkeit habe ich in folgendem chinesischen Text gefunden:

Milde und Güte sind die Wurzeln der Menschlichkeit.
Achtung und Rücksicht sind ihr Boden.
Nachsicht und Toleranz sind ihr Handeln.
Bescheidenheit und Verbindlichkeit sind ihr Können.
Sitte und Höflichkeit sind ihre Haltung.
Rede und Ausdruck sind ihr Schmuck.
Lieder und Musik sind ihr Wohlklang.
Teilen und Schenken sind ihr Wirken.

Siehe Richard Wilhelm: Li Gi. Das Buch der Riten, Sitten und Gebräuche. Neuausgabe Düsseldorf: Diederichs 1981; 3. Aufl. 1997

Wenn du diese oben genannten Merkmale bereits verinnerlicht hast und danach lebst, dann schenke ich dir meine tiefste Bewunderung und neige ehrfurchtsvoll mein Haupt zu Boden. Denn dann hast du es geschafft, du bist ein freier Mensch, der edel ist, hilfreich und gut (frei nach Goethe).

Bist du noch nicht so weit, du siehst es aber auch gerne als deinen Weg, so lass uns doch ein Stückchen gemeinsam gehen und vielleicht auch gemeinsam wachsen.

Herzlich Grüße
Eric

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